Freitag, 16. November 2012

Universal Soldier: Day of Reckoning (John Hyams, USA 2012)


Aus dem Koma erwacht, kehren die Bilder zurück: die brutale Ermordung des Sohnes, der Frau. John (Scott Adkins) hat die Home Invasion nur knapp überlebt, doch jetzt sinnt er auf Rache. Für die Tat scheint Luc Deveraux (Jean-Claude Van Damme) mit seinen maskierten Handlangern verantwortlich zu sein. Doch je mehr er sich an die Mörder heranarbeitet, desto deutlicher wird, dass er es hier mit einer Verschwörung, einer Geheimarmee an abtrünnigen Elitekämpfern der Regierung zu tun hat, die über implantierte Mikrochip-Kapseln manipuliert werden. Möglicherweise. Die verlässlichen Koordinaten lösen sich auf.

Mit diesen Worten ist der Film nur unzureichend beschrieben. Denn DAY OF RECKONING ist - nach seinem tollen Vorgänger UNIVERSAL SOLDIER: REGENERATION - vor allem ein filmischer Rausch. Hoffnungslos düster, basslastig, die Tonspur eine ambiente Fahrt durch die Nacht ans Ende aller Tage. Ein dunkler Bastard, der einen durch seine subjektive Kamera in die Erlebniswelten seiner Protagonisten hineinzieht, diese nachfühlbar macht, und dann nach einer menschenfeindlichen, cineastischen tour de force am Ende des Films wieder ausspuckt. Wann hat man eigentlich zum letzten Mal Atem geholt?

DAY OF RECKONING ist ein Männerfilm, ein Actionfilm, ein Genrefilm im Gewand eines Kunstfilms. Ein Monolith aus schwarzer Masse. An der Vermittlung von Plot ist er nur sekundär interessiert, auch wenn durchaus eine geradlinige, übergeordnete Narration existiert. Es ist aber doch das eigentliche Kriterium des Films, dass sich die Bilder von der Knute der handelsüblichen, stringenten Erzählvorgaben immer wieder weitestgehend befreien. Dies wird in unzähligen Momenten deutlich: etwa beim Überfall ist es markant, dann bei den Erinnerungsflashbacks, die tatsächlich als weiße Halluzinationsblitze inszeniert sind, an dem schließlich im Tunnelsystem sich befindenden Kämpfer, wo er auf den Finalgegener trifft, Andrew Scott, gespielt von Dolph Lundgren. Hier wächst dann der Film völlig über sich hinaus in einer rasant sich verändernden filmischen Darstellung hin zum Computerspiel, dem Ego-Shooter, wie man es aus Klassikern wie etwa Half-Life kennt. Am Ende werden sogar Holzboxen auf dem Boden zertrümmert, etwa durch Schulterwürfe, in denen schließlich gar nichts darinnen ist. Der realistische Modus, so wenig er hier sowieso Gültigkeit besitzt aufgrund der immer wieder experimentierfreudigen Kamera sowie des Gesamtdesigns, wird also völlig ad acta gelegt und zugleich übersteigert zu einer potentiell erfahrbaren künstlichen Gamerwelt, die unsere irdische transzendiert bis in den Mikrochip selbst hinein. Wie aus dem Menschlichen die Maschine erwächst und der Zuschauer das Maschinelle als Realität akzeptiert, das ist eine der Dystopien, die UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING erzählt.

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