Freitag, 28. Dezember 2012

Who Killed Marilyn? (Gérald Hustache-Mathieu, Frankreich 2011)


Der psychisch angeschlagene Krimiautor Rousseau (Jean-Paul Rove als zerknitterter Schriftsteller mit Schreibblockade und vehementer Ideenlosigkeit) fährt mit seinem klapprigen Wagen in die Provinz um das Erbe seines verstorbenen Onkels abzugreifen. Allein, der Weinberg und der Besitz geht an die Stadt, er selbst bekommt nur einen ausgestopften Hund. Wieder nichts. Die Nacht im tristen Gasthof wird kalt; es hat ordentlich geschneit, und die Heizung ist defekt. Wie es das Schicksal will, wurde eben die Leiche einer jungen Frau, der schönen Candice (Sophie Quinton) gefunden, erfroren im Schnee. Die Zeichen deuten auf Selbstmord. Ein Faktum, das der Dorfbüttel allzu schnell und gerne als Todesursache zu akzeptieren bereit ist. Rousseau allerdings wittert ein Geheimnis und macht sich auf die Spur. Da zeigt sich, dass die Käsekönigin der Franche-Comté ein verwickeltes Leben geführt hat – und die Ermittlungen führen zu obskuren Parallelen im Leben von Marilyn Monroe…

Die häufig aus dem Kontext gerissene Sentenz Adornos , „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, ist ein geflügeltes Wort geworden. Hier wäre die Umkehrung passender: für Candice gibt es kein Leben im richtigen. Denn der normale Alltag kann ihr nichts bieten in diesem tiefverschneiten hinterletzten Kaff. Also erfindet sie sich selbst neu, erschafft eine Kunstfigur, die an Marilyn Monroe erinnert. Ein Star, den sie verehrt, und dem sie verblüffend ähnlich sieht, als sie sich auf Anraten eines Photographen hin die Haare blondiert. Sie immitiert deren Posen, das Lachen, ihr Aussehen. Sie gibt sich einen Künstlernamen, gewinnt das Casting bei einem käseherstellenden Molkereibetrieb, wird schließlich regional bekannt und beliebt, das öffentliche Interesse an ihrer Person nimmt zu. Ihr Leben wird augenscheinlich erst lebenswert in einem falschen, in ihrer Kunstpersona.

So auch der Film selbst, der für sich genommen ebenso eine Kopie ist. Der als Mashup beliebter Genrestandards selbst eine Dopplung ist. Der stark mit Motiven aus David Lynchs TWIN PEAKS spielt, und immer wieder Anleihen bei den Filmen der Coen-Brüdern findet...

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