Montag, 11. Februar 2013

Berlinale: Promised Land (Gus Van Sant, USA 2012)


In Zeiten der knapper werdenden Ressourcen und auf der Suche nach alternativen Energien abseits von Kohle und Öl, scheint das Bohren nach Gas, umgangssprachlich Fracking genannt, eine mögliche Alternative. Matt Damon spielt den Manager Steve Butler, der, im Dienste des Energiekonzerns "Global Crosspower" stehend, Landbesitzer möglichst günstig um die Schürfrechte auf ihrem Grundstück bringen soll. Verheimlicht wird allerdings, dass der Einsatz möglicherweise schwer gefährlicher Chemikalien im Abbauprozeß das Grundwasser verseuchen und den Farmern die Grundlage für ihre Bewirtschaftung zunichte machen könnte. Unterstütz wird Butler von seiner Kollegin Sue Thomason (Frances McDormand), der ebenfalls jedes Mittel Recht ist, um die Sympathien der Farmer zu erlangen - freilich um sie möglichst gewinnbringend über den Tisch zu ziehen. Denn die gezahlten Honorare sind natürlich nur ein Bruchteil dessen, was der Konzern aus dem Land herauszuholen plant, mit schwerstem Gerät und unabsehbaren Folgeschäden.

Da trifft es sich gut, dass Amerika in einer Wirtschaftskrise steckt und den Leuten auf dem Land die Schulden über den Kopf wachsen. Allzuschnell sind sie bereit, auf die Angebote von Global einzugehen, auch wenn schon bis zu ihnen durchgedrungen ist, dass an anderen Orten die Farmer anschließend ruiniert waren. Außerdem sind Butler und Thomason ja so sympathisch. Überhaupt ist die Perspektive das Besondere an diesem sozial engagierten Film. Waren in MILK die Sympathien schon dadurch klar verteilt, mit den Protagonisten "auf der guten Seite" zu stehen, so ist in PROMISED LAND genau das die Reibungsfläche: die Protagonisten bringen das Unheil. Der Konflikt verschärft sich noch dadurch, dass die Bewohner der Kleinstadt durch einen angereisten Umweltaktivisten aufgewiegelt werden, der vor den Folgen der Exploitation der Bodenschätze warnt. Mit Plakaten und Schildern mit toten Kühen am Straßenrand.

Natürlich darf auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen: die Lehrerin an der Grundschule ist bald schon das Objekt von Steve Butlers Begierde. Eine selbstbewußte Frau, die ganz heimatverbunden und nach dem Tode ihrer Eltern wieder zum Elternhaus zurückgekehrt ist und der Großstadt den Rücken zugekehrt hat. Sie ist auch die einzige, die Butler rhetorisch gewachsen ist, und ihre Frustration über die ländliche Abgeschiedenheit, die ansonsten natürlich geschätzt wird, macht sich vor allem in sexuellen Dingen bemerkbar. Das Drehbuch ist sich dann freilich nicht zu blöd dafür, die Frau zur Trophäe zu machen - denn auch der Umweltaktivist umgarnt die schwarzgelockte Schöne. Und wer am Abend in der Bar besonders charmant war, hat möglicherweise sogar die Chance auf ein kleines Landabenteuer.

Am Ende wartet der unvermeidliche Twist auf den Zuschauer, den man selbstverständlich schon lange herankriechen sah. Und ein Rückzug ins moralisch Aufrechte, ins Private. Nun ja, das Böse wurde abgewendet. Gegen ein engagiertes und gesellschaftskritisches Kino ist freilich nichts einzuwenden, es dürfte dann aber gerne etwas wenig glatt und aufdringlich gutgemeint daherkommen. Auch in puncto Bildgestaltung kann PROMISED LAND mit dem bisherigen Oeuvre Van Sants (der die Regie übrigens von Damon übernahm), auch mit den kommerzielleren Exponaten, nicht mithalten. Da kann noch soviel durch dreckige Scheiben gefilmt werden. Von der fragilen Brüchigkeit Van Santschen Filmemachens ist in PROMISED LAND wenig geblieben, in diesem Film der Warner Brothers.

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