Freitag, 8. März 2013

Sightseers (Ben Wheatley, UK 2012)


Der touristische Aspekt in SIGHTSEERS hält sich in Grenzen, bzw. deutet er auf etwas hin, was zum Zentrum von Wheatleys durchaus erfolgreichem Film führt: auf seinen schwarzen Humor. Wie man das aus Englandurlauben kennt, regnet es meist ständig - eine meteorologische Tatsache, die den Besuch des Bleistiftmuseums in Nirgendwo und die Tropfsteinhöhlen von Soundso nicht gerade angenehmer macht. Aber so ist das. Regenjacke angezogen und durch. Der Wohnwagen steht ja auf dem Campingplatz, dessen üppiges Grün des Grases durch die Nässe noch intensiver wirkt. Ein jeder Sonnenstrahl scheint direkt von göttlicher Hand höchstselbst gesandt.

Nun denn, die beiden Lovebirds, die da unterwegs sind, sind frischverliebt. Chris (Steve Oram) zeigt Tina (Alice Lowe), seiner neuen Freundin, "seine Plätze" im geliebten England. Was Tina in dreimonatiger Beziehung noch nicht weiß: Chris hat recht wenig Toleranz gegenüber Leuten, die ihm auf den Nerv gehen. Und bringt diese dann auch mal kurzerhand um die Ecke. Nach der Hälfte des Films wird Tina dann klar, "Chris, you are a serial killer!" Damit aber nicht genug: die zunächst geschockte Tina zieht gleich und treibt Chris dann wiederum zur Verzweiflung, weil sie einfach mal so, nach Lust und Laune anfängt, Leute umzufahren. Mit dem Caravan.

SIGHTSEERS lief schon beim letzjährigen Fantasy Filmfestival, und war dort nach meiner Erinnerung recht gut angekommen. Da ich damals aus verschiedenen Gründen nur den Schluß gesehen hatte, kam nun eine nochmalige Sichtung in Frage, zumal dieser "kleine" Film, der immerhin in Cannes lief, nun einen regulären Kinostart bekam. Und so hat sich mein Eindruck  eigentlich bestätigt: etwas mehr Bissigkeit hätte dem Film gut getan. Allzu gemächlich verinnen die Minuten im Mittelteil, von Langeweile möchte ich nun nicht gerade sprechen, vor allem da dieses gemächliche Erzählen zur Kauzigkeit des Filmes beiträgt, doch kommt der Film da schon sehr zur Ruhe. Auch gestört hat mich, und das könnte wirklich ein Problem bei Mehrfachsichtungen werden, dass der sehr einfach gestrickte und simpel erzählte Film recht episodisch geraten ist. Kennt man mal die Szenen, das Ende, die Funktionsweise des Films, gibt es nicht mehr viel zu entdecken. SIGHTSEERS ist ein gemächlicher, zurückgenommener Film, dem dies zum Schönheit gereicht - zu einer Schönheit innerhalb seiner eigenen ästhetischen Grenzen.

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