Freitag, 5. April 2013

Macao (Josef von Sternberg, USA 1952)


Man liest wenig Gutes über Macao, der zumeist als misslungenes Vehikel angesehen wird, um mit den beiden Stars Robert Mitchum und Jane Russell ein einträgliches Geschäft an der Kinokasse machen zu können. Die Produktion gestaltete sich jedoch schwierig, Nicholas Ray löste den gefeuerten von Sternberg ab, Mitchum schrieb neue Szenen hinzu. Der Vorwurf war, von Sternberg würde sich (wieder einmal) zu sehr auf seine Bilder konzentrieren und dabei den Plot aus dem Fokus verlieren. Dieser Film gilt als eines der vielen Beispiele, wie ein großer, visionärer Regisseur von Studios und mächtigen Produzenten entmachtet und gegängelt wurde. MACAO kam dann auch erst zwei Jahre nach mühsamer Fertigstellung ins Kino, was für sich selbst spricht.

Bis auf wenige originale und zweitverwertete Szenen, sogenanntes stock footage, wurde MACAO im Studio gedreht, und jede Hoffnung auf eine größere Einbindung der Handlung an historisch authentischen Orten muss ad acta gelegt werden. Gleichwohl wirbt der Film natürlich bereits im Titel mit seiner Exotik, und auch ein voice over aus dem off zu Beginn des Films führt an diesen "gefährlichen" Ort ein, fern der westlichen Zivilisation, an dem sich Glücksritter, Halunken, Unterweltbosse, Spielsüchtige, Flüchtige und Halbweltdamen zusammenfinden um zwielichtige oder ausschweifende Dinge zu treiben. Und jeder hier hat etwas zu verbergen, niemand ist der, der er zu sein vorgibt. Der hell leuchtende Glanz der Casinos blendet dabei eher, als dass er Klarheit schaffen würde.

Dort also treffen die zynische Nachtclubsängerin Julie Benson (Jane Russell) und der ehemalige Soldat und Weltenbummler Nick Cochran (Robert Mitchum) aufeinander, und kein Wunder entsteht da so etwas wie Zuneigung. Auch der listige Lawrence Trumble (William Bendix), ein Geschäftsmann, stößt zu ihnen und plant windige Geschäfte - denn neben Damennylons handelt er auch mit Schmuggelware. Im weiteren Verlauf ergeben sich mehrere Verwicklungen, der Plot vollführt Kehrtwendungen und schlägt Haken, führt den kriminellen und untergetauchten Casinobesitzer Halloran ein (und dessen Freundin Margie (Gloria Grahame)), mit den Identitäten wird gespielt und hinter den Masken kommen ganz andere Menschen zum Vorschein. Jane Russell und ihr Augenaufschlag. Femme Fatale. Schwarz-weiß-Photographie und Film Noir. Höhepunkt ist wohl eine Verfolgungsjagd im Hafen über mehrere schwankende Boote hinweg und durch Fischernetze hindurch, was auch ansprechend und durchaus spannend umgesetzt ist. Letztlich ist MACAO aber doch ein recht schales Erlebnis. Zu sehr läuft hier alles nach Schablone ab, der überraschende Plot ist keineswegs besonders überraschend, der Schauplatz bis auf seine Straßenszenen austauschbar; der Film kann lediglich mit seinen Darstellern Boden wieder gutmachen, die mit gelassener, souveräner Routine zu überzeugen wissen. Eine atmosphärische Dichte durch Bildkompositionen will sich jedoch nicht einstellen, dafür erscheint das alles zu sehr runtergekurbelt und für einen Film, der in die unbekannte Ferne führen will, in seinen eigenen engen Horizonten gefangen.

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