Montag, 20. Mai 2013

Oslo, 31. August (Joachim Trier, Dänemark 2011)

Bildkompositionstechnisch hübsch anzusehender Problemfilm aus Skandinavien, dem der Fehler von JAGTEN nicht unterläuft: die Hauptfigur ist ein Anti-Held, und obwohl bisweilen sympathisch, ist er doch nicht automatisch und klar erkennbar die Sympathiefigur des Films (in dem diese Instanz sowieso komplett fehlt) - auch wenn dessen Schicksal erzählt wird. Beziehungsweise seine Vorbereitung auf einen wie unausweichlichen Selbstmord, was an Louis Malles DAS IRRLICHT erinnern soll (ein, wie ich finde, ganz anderer und besserer Film). So wird durch die Spiegelungen der anderen Figuren immer wieder sehr deutlich, was für ein egoistischer Mensch dieser jungen Mann und Heroinabhängige gewesen sein muss. Und es auch heute noch ist, wie man an den Anrufen bei der Exfreundin oder am durchaus terriblen Finale sehen kann. Allerdings: schockierend für die abwesenden Eltern. Da hat die Therapie nun offenbar völlig versagt. Der traurige inwändige Blick des Protagonisten ist auch der melancholische Blick der Kamera auf eine instabile Welt, ein Blick, der allenthalben bürgerliche, dafür hinter der Fassade kaputte Beziehungen konstatiert. Auf Beziehungen zwischen Menschen, die lediglich von gesellschaftlichen Ordnungsprinzipien zusammen gehalten werden. Auch wenn die Freunde von damals heute „in der Gesellschaft angekommen“ sind – und er eben mit nichts dasteht -, diese scheinen dennoch irgendwie zu funktionieren. Der Zuschauer ist verunsichert... wer überhaupt in diesem Film verdient dessen Sympathie?

***