Samstag, 1. Juni 2013

To The Wonder (Terrence Malick, USA 2012)


Ein Film der Blicke der Liebe. Durch die Gräser schweift die Kamera, der Frau hinterher, die vorausgeeilt ist, sie erhebt sich hoch in die Lüfte, eine subjektive elevatio, dann ist sie wieder ganz bei ihr, bei ihm, in Groß- und Detailaufnahme, im Gegenlicht, bei Regen und Sturm. Die Zeit als Gezeiten des Körpers zwischen Nähe und Begehren. Eine Handlung, die sich dem Gefühl unterordnet: ein Frau verlässt mit dem Kind aus erster Ehe ihre Heimat und geht mit dem neuen Mann nach Amerika. Doch dort fehlt etwas, das merkt auch das Kind. Nach einer gewissen Zeit schweifen die Blicke des Mannes ab, das Begehren verändert sich. Eine Krise. Als das Visum abläuft muss sie zurück, der Mann hindert sie nicht daran, zu gehen. Da lernt er eine andere Frau kennen (oder war sie seine erste Liebe?), wieder die Liebe als Naturerfahrung, eine fragile diesmal, und der die Schalkhaftigkeit der ersten fehlt. Bei der Rückkehr der Braut muss er sich entscheiden, und nimmt sie wieder auf in sein Haus. Die Innenräume sind hier nicht weniger im Fokus als die Außenräume. Und dort geht dann die Freiheit verloren, im offenen Oklahoma, wo um jedes Haus ein Zaun steht, und die Zivilisation tatsächlich als Bedrohung der Natur erfahrbar wird. Einer Natur, die auch als Entfaltungsraum der Liebe gelesen werden kann. Die nicht als konzentrierte Einheit, gebündelt durch die Filmfigur, vor einem liegt, sondern auch als Erfahrungsraum einer möglichen Selbsterfahrung des Zuschauers. Doch dann gibt es Streit, ein Seitensprung, das Wiederfinden der Liebe, dann ist der Film irgendwann vorbei.

Als Zuschauer, dem in TO THE WONDER elegische und überhöhte Innenweltbilder sowohl als Bewußtseinsstrom als auch in fragmentierten Fetzen gezeigt werden, die sich vor allem und immer wieder in nicht-kontinuierlich montierten Naturabbildungen manifestieren und die von klassischer bis deutlich sakraler Musik unterlegt sind, hat man keine Wahl. Man ist ganz nah dran an den Figuren, und wenn man das nicht mag, dann kann man nur gehen. Also wirklich real den Innenraum des Kinos verlassen, der selbst zu einem Körper geworden ist (was er sowieso immer ist). "I want to take you inside me" sagt Olga Kurylenko einmal, und so wie sie Ben Affleck aufnimmt, und dieser sie, so wird der Zuschauer vom Kino aufgenommen, und dann vom Film. Das ist nicht esoterisch, das ist ein Phänomen der Wahrnehmung. Die Blicke stehen im Zentrum, nicht das Gefühl, das bleibt, merkwürdigerweise, außen vor. Wenn dann eine der wenigen Schwarzblenden kommt, dann ist das ein Hammer, wie wenn die Welt untergeht oder man tatsächlich erblindet.

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