Freitag, 26. September 2014

Edge of Tomorrow (Doug Liman, USA 2014)

Immer wieder und wieder, kurz nachdem der Herzschlag dann ausgesetzt hat, beginnt das Spiel von vorn. England (und also die Welt) wird von einem üblen Alienmonster bedroht und Tom Cruise muss es vernichten. Wie in Täglich grüßt das Murmeltier oder jedem anderen Todesshooter an der Konsole beginnt alles immer wieder von vorn, sobald der Held, also das Ich, tot ist. Der Film meistert das so, dass dieser Aspekt des Neustarts nur am Beginn, also so lange, wie der Protagonist an Zeit braucht, dies zu schnallen, auch formal berücksichtigt wird. Wie er übel ausgetrickst wird vom Vorgesetzten und strafversetzt dann zu einer Killereinheit, sprich Himmelfahrtskommando, das ihm erstmal nix Gutes will. Und er sich dann durchzusetzen lernt bei den kernigen Typen (die immer nach Schweiß stinken wie in einem Mechanikerporno) und er immer besser wird in seinen Kill-Skills. Und schließlich sogar das Herz (vielleicht) der schönen Exekutorin in Blond zu gewinnen vermag. Später spielt das keine oder kaum eine Rolle mehr, man will die Nerven des Zuschauers ja auch nicht überstrapazieren und springt directement zum abgebrochenen Handlungsabschnitt. Man will ja schließlich nicht alles nochmal durchleben (und so interessant ist es dann halt auch nicht). Die üblen Tentakelmonster lassen einem aber auch keine Chance, und da braucht es schon einen wahnsinnigen Überbau von zusammengezimmertem  Theoriekonstrukt (also Sci-Fi-Humbug), das diese Ellipse des Todes dann auch zu erklären vermag, warum dieses Nochmal-Durchleben überhaupt ermöglicht wird. Wiederholen möchte ich das hier nicht, das wäre nur langweilig.

Aber wer weiß, es ist halt dann doch: Tom Cruise. Smart lächeln kann er ja, stets überrascht, kurz bevor ihn dann der Schnitt und die Montage zum wieselflinken Kämpfer hochstilisiert, der so schnell ist in seinen Reflexen (und so verlässlich in seinen sozialen Kompetenzen), dass man sich von ihm wirklich gerne, sehr gerne sogar, die Welt retten lassen möchte. Außenherum ist dann auch nicht viel - Cruise ist wie eine hermetisch eingeschlossene Kapsel in diesem Film, der alle anderen Darsteller abdrängt und zu Statisten verkleinert. Selbst der love interest ist nur ein interest, love kommt vielleicht später. Letztlich ist Edge of Tomorrow dann doch also ziemlich langweilig, weil aus der Rasanz keine Kinetik entsteht, deutlich vor allem in den Actionszenen - es ist immer ein alles oder nichts, und das geht so schnell, dass man sich irgendwann nicht mehr traut, zu blinzeln. 

Wer die Welt erobert, der ist vor allem schnell, kommt aus dem Untergrund, und gibt dir keine Chance. Womit dem Feind ein Element der Feigheit zugeschrieben wird, da er sich völlig unvermittelt nähern kann, und sich zudem der Camouflage bedient. Kein offener Kampf auf weitem Feld, kein Boxring. Außerdem natütlich ist es ein abgekartetes Spiel, da kann man ja gar nicht gewinnen als aufrichtiger Mensch. Der sich in eine Maschine steckt übrigens um kampffähiger zu werden. Die Tauchszene hin zum pulsierenden Alienherz ist dann der Höhepunkt in diesem Computerspiel (vorher darf sich dann die Dame noch heroisch opfern), der kein richtiger Höhepunkt ist. Emotionslos schaut man da zu bei einem Megalomanismus, der nichts bedeutet, außer Big Budget zu sein. Die Erde: Planetenfodder im großen Spiel. Gut so. Warum man diese olle Weltkugel retten wollen würde (auf der solche Filme state of the art sind), wird hingegen nicht gefragt. Der Heroismus jedoch, der stirbt zuletzt. In dieses Horn bläst auch Edge of Tomorrow. Denn nur über das Opfer des eigenen Körpers wird man die anderen, sprich: alle anderen, retten können. Doofes, konstruiertes Pathos, das.

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