Samstag, 5. November 2016

7 años / 7 Years (Roger Gual, Spanien 2016)

7 Anos ist der neueste Netflix-Film und so bin ich auch an einem lauen Samstag-Nachmittag zufällig darüber gestolpert. Und wenn ich ein schnelles Urteil bilden müsste, dann würde ich sagen, nun ja, dafür hat es dann auch getaugt. Muss ich aber nicht. Und wenn man etwas genauer hinschaut, dann ist das alles auch natürlich etwas problematischer.

Zum einen hat man es hier kostengünstig mit einem spanischen Kammerspiel zu tun, was da heißt: der ganze Film spielt in einer Wohnung, die so etwas wie ein modernes Hipster-Büro sein soll. Es sieht aus wie bei Ikea, inklusive Fahrrad im Wohnbereich abgestellt. Schön auf dem glänzenden Holzfußboden. Es ist alles alt und ganz neu zugleich, geschmacklos geschmackvoll, und auch ein großer roter Kühlschrank steht rum, in dem sich Getränke in Einmachgläsern befinden, so wie im Café im Prenzlauerberg (oder der Ehrenstrasse). Was man sieht, ist also nur bedingt ein Film, viel eher ist es ein Theaterstück, und ich wette darauf, dass es dafür auch ein Bühnenstück als Vorlage gibt. Man denke an Yasmina Reza oder an so etwas wie Glengarry Glen Ross von David Mamet. Freilich, nicht auf diesem Niveau.

Es geht um eine Softwarefirma, die Steuergeld veruntreut hat und ein dickes Schwarzgeldkonto in der Schweiz betreibt. Nun soll sich einer der vier Vorstände "opfern", und stellvertretend in den Knast gehen (7 Jahre (!)), damit a) die anderen gerettet werden und b) die Belange der Firma nicht gefährdet sind. Es ist alles arg konstruiert, und dann geht es natürlich los, die Leute gehen sich an die Kehle und jeder ist des Nächsten ärgster Feind. Vor aller Augen wird schmutzige Wäsche gewaschen.

Leider lässt die Verbalbrillanz dann doch immer wieder zu wünschen übrig, was relativ doof ist in einem Stück, in dem vornehmlich geredet wird. Aber die durchweg ordentlichen Schauspieler kompensieren das soweit. Je hitziger es wird, desto mehr entkleiden sie sich auch, und das sind dann so offensichtliche Metaphern, das wäre im Stummfilm akzeptabel, aber nicht so richtig bei einem Film von einhundert Jahre später, bei dem sich die Dummheiten stauen. Wie auch immer, nach gut 70 Minuten ist der Spuk vorüber und alles ist sowieso vergebens. Schönes nihilistisches Ende auch, und mit einem kleinen Hinweis, dass vielleicht ein ganz anderer kluger Kopf hinter der ganzen Sache steckt, der an allem nur verdienen wollte: der Mediator.

Produziert hat eine Firma namens Cactus Flower Productions und so steht auch netterweise ein Kakteen-Arrangement auf dem großen Holztisch, um den sich das existenzialistische Geschehen entfaltet. Das ist beinahe so nett, wie die Olivenölflasche von Rudolf Thome, die immer in seinen Filmen auftaucht. Ein Regisseur, von dem man freilich alles gesehen haben sollte. Von seinem spanischen Kollegen Roger Gual würde ich das nun nicht unbedingt behaupten.
Michael Schleeh
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