Donnerstag, 21. Juni 2018

The Witch (Robert Eggers, 2015)

 Ein Film ohne Helden, nachtdunkel, waldwärts blickend, hinein ins Unterholz. Dort ist es naß und feucht. Die Kälte kriecht in die Kleidung, dann die Knochen hoch. Knochen statt Arme, nichts mehr zu essen. Die Ernte: verdorben. Die Seele: muss stets gerettet werden. Diese Christen, die immerzu sehr stark den Teufel fürchten, werden ein übles Ende nehmen. Das Leben ist endlich, und hier kommt das Ende ganz sicher früher.

 Wir sind in Neu-England, 1600-irgendwann, man spricht im Shakespeare-Idiom. Einwanderer aus England versuchen sich eine Existenz aufzubauen. Einmal läuft kurz ein Indianer ins Bild. Aber dann ausgestoßen aus der Gemeinschaft bleibt nur der Rand am ausgedörrten Feld. Und dahinter: unwirtlicher Wald, die Wildnis, die Ewigkeit, ganz sicher auch das Jenseits. Die zahlreichen Kinder der strenggläubigen Eltern sind empfänglich für den Grenzübertritt auf die dunkle Seite. Sie zeigt sich harmlos, als Hase auf der Lichtung, als schwarzer Geißbock, emblematisch. Doch man holt ihn herein, bietet ihm Unterschlupf aus egoistischen Gründen.

 Wen man sich da in den Stall geholt hat, das erfährt man erst später. Wenn es zu spät ist. Es folgen brutale Szenen, die einem beinahe den Atem rauben. In dunklen Bildern, die an niederländische Meister erinnern, kommt das Böse über die Familie und es ist klar, wo es enden wird. Um eine Lösung zu finden, müsste man zusammenhalten und gemeinsam einen Ausweg finden. Aber die Menschen tun so etwas nicht. Sie  suchen Schuldige, wenden sich gegeneinander. Auch in der Familie.

 Am Ende dann eine Elevation in einem Film, der vieles offen lässt und nichts genau erklärt. Man kann sich einiges zusammenreimen, was man aber besser lässt. Denn sonst findet man ganz sicher keinen Schlaf mehr in dieser Nacht. Der Film The Witch, der sich etwas altertümelnd und ikonografisch eigentlich mit zwei V schreibt (also The VVitch), ist ein Nervenzerrer sondergleichen. Ein Meisterwerk der minimalistischen Spannung, visuell beeindruckend und von einer spröden Ausweglosigkeit, die fassungslos macht.

Michael Schleeh

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