Sonntag, 12. April 2020

The Island / Ostrov (Pavel Lungin, 2006)


Auf einer einsamen, verschneiten Insel im sibirischen Nordmeer haust der eigenbrötlerische Priester Anatoly (Pyotr Mamonov) in einem schwarzen Kohlenkeller, der immer wieder von Bedürftigen als Wunderheiler aufgesucht wird. Die Legende geht, er sei ein Heiliger. Eines Tages kreuzt aber der Mann auf, dem er vor vielen Jahren das Leben genommen hat.

Ein bildgewaltiges Werk voll katholisch-orthodoxem Pathos und Schicksalhaftigkeit, das aus seiner Geschichte um eine Kriegsschuld und deren Sühne, die manchmal durchaus auch etwas zäh ist, das Maximum herausholt - und gerade wegen dieser hingebungsvollen Konsequenz so ganz anders wirkt, als das schnellebige Kinofutter, an das wir uns mittlerweile gewöhnt haben.


Es ist ein beeindruckend verstörendes und erinnerungsstark sich einprägendes Zusammenspiel von starken Schauspielerleistungen, der kargen, lebensfeindlichen Landschaft und der sich erhebenden gravitätischen, klassischen Musik, die dem Film seine Schwere verleiht. Er verweigert sich den Sehgewohnheiten der heutigen Zeit, ohne sich dem Trend des slow cinema anzubiedern. Ein eigenständiger Film klassischer Prägung, dessen Erzählung aber nicht mit einer klassischen Narration verknüpft ist. Dafür ist diese zu episodisch. Der Film könnte auch noch zehn Stunden so weiter gehen. 

Am Ende findet er aber dennoch seinen Abschluß - auch dieser ist so gestaltet, dass dem an die weltlichen Dinge glaubenden Individuum das Handwerszeug fehlt. Phantastisch, spirituell. Mit einer Verbeugung an Tarkovsky. Ostrov ist zudem der Gewinner des russischen Golden Eagle Awards.

Michael Schleeh

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